Das Kind hat endlich einen Namen

Ich habe nun meine Diagnose offiziell und werde medikamentös eingestellt. Ich habe ADHS. Lass mich mal nachrechnen… 61 Jahre 3 Monate … eine Chronologie des Scheiterns und Wiederaufstehens, der schlechten und der guten Phasen, der Selbstzweifel bis fast zur totalen Aufgabe, des Kämpfens und der totalen Erschöpfung, der Fragen ohne Antworten, des unerschütterlichen Optimismus und der Depression, der Diagnosen und falschen Prognosen – es hat einen Namen und damit einen Status.

Bedeutet für mich erstmal Aufatmen, Freude, Versöhnung. Versöhnung mit meiner Vergangenheit, meinem Lebensweg, der kurviger nicht sein könnte. Ich hätte es nicht besser gekonnt. Das ist nun amtlich. Ich konnte nichts dafür. Ich weiß jetzt, dass ich unsere Chaos-Familie (mein Sohn hat auch ADHS) nicht besser hätte managen können. Ich weiß jetzt, dass ich meine Schullaufbahn nicht besser hätte abschließen können.

Ich war nicht faul und schlampig, Mama.

Vom Zerdenken und Übertreiben

Kennst du das auch: Du hast Zeit, dich wie auch immer kreativ zu betätigen. Du hast Muse, du hast Ideen und dann denkst du: „Macht es überhaupt einen Sinn?“ Es geht mir tierisch auf den Keks, dass ich immer alles hinterfragen muss. Ich nenne das „Zerdenken“ oder „Totdenken“. Meistens komme ich zu dem Ergebnis, dass mein Vorhaben  sinnlos ist, keinen wie auch immer gearteten Zweck erfüllt und ich es deshalb auch bleiben lassen kann.

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