Sehr gute Dokumentation „Polen 39: Wie deutsche Soldaten zu Mördern wurden

Eine Dokumentation ausgestrahlt u.a. beim WDR am 06.07.2020, Dauer 43:40 Minuten. Verfügbar bis 06.07.2025. Von Alexander Hogh, Jean Christoph Caron. Die Dokumentation geht der Frage nach, wie in kürzester Zeit aus „ganz normalen Männern“ Kriegsverbrecher werden konnten – und warum einige Wenige sich dem mörderischen Geschehen widersetzt haben.

https://www1.wdr.de/av/phoenix/dokumentationen/video-polen–wie-deutsche-soldaten-zu-moerdern-wurden-100.html#:~:text=Die%20Dokumentation%20geht%20der%20Frage,dem%20mörderischen%20Geschehen%20widersetzt%20haben.

Auch dazu:

https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen/polen-39-a-1205355.html

Meine kleine Buchbesprechung (3)

Sabine Bode; Kriegsenkel – Die Erben der vergessenen Generation, Klett-Cotta 2009, 25. Auflage 2015

Nach dem schon erwähnten Buch „Kriegskinder“ richtet Sabine Bode hier den Fokus auf die „Kriegsenkel“. Wie fühlt es sich an, Kind kriegstraumatisierter Kinder und Jugendlicher zu sein? Bis Anfang der 2000er Jahre war der Begriff „Kriegsenkel“ ein weitgehend unbekannter Begriff. Um bislang unbeachteten Gemeinsamkeiten einer Generation eine Überschrift zu geben, hat man sich diesen Namen gegeben. Fortan war es möglich, sich über diesen Begriff zu definieren und Spuren einer kollektiven Katastrophe zu entdecken.


Aus dem Klappentext:
„Sabine Bode beschreibt, wie die Schrecken des Zweiten Weltkriegs bis heute in vielen Familien fortwirken.“ (Andreas Fasel, Welt am Sonntag)


Das Buch hat mich persönlich sehr berührt. Ich habe viele Parallelen zu anderen Kriegsenkeln entdeckt, aber auch die Erkenntnis gewonnen, dass es weitaus schlimmere Traumata in Familien gibt als es bei mir der Fall ist, zumindest nach meinem Kenntnisstand.

Schilderungen der im Buch zu Wort kommenden Kriegsenkel über „ihren unvernünftigen Umgang mit Geld“, das Paradox „Das Jammern der Deutschen trotz relativen Wohlstands“, die vermeintliche Unfähigkeit der Eltern (vorwiegend der Mütter), Mitgefühl zu zeigen – „Stell dich nicht so an“, der schier grenzenlose Egoismus der Eltern „Ich, ich, ich“ – all das und viele Eindrücke mehr haben in mir das Gefühl geweckt, über dieses Thema ausführlicher zu recherchieren und zu sprechen. Zu sprechen mit Gleichgesinnten, mit anderen Kriegsenkeln.


Aus dem Klappentext:

„Als Friedenskinder sind sie in den Zeiten des Wohlstands aufgewachsen. Es hat ihnen an nichts gefehlt. Oder doch?
Die Generation der zwischen 1960 und 1975 Geborenen hat mehr Fragen als Antworten: Wieso haben viele das Gefühl, nicht genau zu wissen, wer sie sind und wohin sie wollen? Wo liegen die Ursachen für diese diffuse Angst vor der Zukunft? Weshalb bleiben so viele von ihnen kinderlos?
Noch ist es für sie ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihre tief sitzende Verunsicherung könnte von den Eltern stammen, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben. Ist es möglich, dass eine Zeit, die über Jahre zurückliegt, so stark in ihre Leben als nachgeborene Kinder hineinwirkt?“


Auf jeden Fall lesenswert.

Sabine Bode; Kriegsenkel – Die Erben der vergessenen Generation, Klett-Cotta Stuttgart 2009, 25. Auflage 2019; ISBN 978-3-608-94808-0

Meine kleine Buchbesprechung (2)

Sabine Bode; Die vergessene Generation –  Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen; Verl. Piper München, 2005

Um tiefer in das Thema „Kriegsenkel“ einzutauchen, empfiehlt sich ein Blick auf die „Kriegskinder“ zu werfen. Die Generation unserer Eltern (meist selbst Kinder oder Jugendliche während des 2. Weltkriegs) empfinden sich selbst als „vergessene Generation“, die in dem Buch von Sabine Bode ihr Schweigen bricht.


Auszug aus dem Klappentext:

„Was viele bislang nur ahnten, wird nun zunehmend offen ausgesprochen: Die Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die zweite und dritte Generation hinein. Rastlos haben die Kriegskinder das Wirtschaftswunder erarbeitet – doch ihre eigenen Schicksale, Vertreibung, Schmerz und unverarbeitete Erlebnisse sind eine weitgehend unentdeckte Welt, belegt mit zahllosen Tabus. […] Erst jetzt beginnen sie zu reden. Ein anrührendes und wichtiges Buch über die Traumata der Kriegskinder. Sabine macht zu Recht deutlich, dass das unverarbeitete Leid der ehemaligen Kriegskinder noch heute eine große gesellschaftliche Aufgabe darstellt.“


Das Buch ist anrührend, aufschlussreich und informativ. Es eröffnete mir eine andere Sichtweise, weg von der reinen Schuldzuweisung an meine Eltern hin zu empathischen Verständnis.

Das Schweigen dieser Generation ist symptomatisch – in einem anderen Buch habe ich sinngemäß gelesen: In einer Welt der Schuldigen durfte es keine Opfer geben. Das erklärt sehr viel, finde ich.

Sabine Bode, Die vergessene Generation – Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen; Piper Verlag München, Mai 2005; ISBN 3-492-24403-3

Meine kleine Buchbesprechung (1)

Kriegsenkel-Gefühle – Kinder der Kriegskinder schreiben von Sehnsucht, Wut und Wagemut” – von Heike Pfingsten-Kleefeld (Hrsg.) *)

Aus dem Cover-Text:… Die Kinder der Kriegskinder sind auf die Suche gegangen nach familiären Mustern und Glaubenssätzen, die sie in ihrem Leben hemmen und belasten. Ihre Erfahrungen haben sie zu abwechslungsreichen Texten verarbeitet.”

Das Buch habe ich gelesen und war erstaunt über so viele Parallelen zu meinem eigenen Leben und Empfinden. Verschiedene Personen haben in unterschiedlicher Form – Lyrik oder Prosa – ihre Gefühle offenbart, die sie mit den Erfahrungen und Traumata ihrer Kriegskind-Eltern in Verbindung bringen.

Die Texte und Gedichte zeichnen ein Bild, in dem ich mich wiederfinde und das Gefühl habe – du bist nicht allein. Ganze Passagen dieses wertvollen Buches könnten von mir geschrieben sein – Wort für Wort.

Das Vorwort – geschrieben von Ingrid Meyer-Legrand – erklärt und unterstreicht, was hinter dem Begriff “ Kriegsenkel-Problematik” steht und warum wir jetzt erst, so viele Jahre später, über dieses Thema sprechen.

“Ähnlich wie die Kriegskinder-Eltern, deren Gefühlswelt während der Zeit des Nationalsozialismus, der Verfolgung, des Krieges oder auch der Flucht und Vertreibung aufs massivste zerstört wurde, hatten Kriegsenkel einfach keine Gefühle zu haben! Den Kriegsenkeln ging es doch gut. Schließlich haben nicht sie die schlimmen Erfahrungen mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus gemacht, sondern ihre Eltern.” […] “Aber auch die Kriegskinder-Eltern hatten keinen Raum, über ihre Gefühle des Leids und der Trauer zu sprechen, denn im Land der Täter durfte es keine Opfer geben.” (Ingrid Meyer-Legrand, S. 11).

Ich möchte diese Lektüre allen Kriegsenkeln ans Herz legen, die sich auf die Spurensuche in der eigenen Geschichte machen wollen. Ist der Anfang erst einmal gemacht, ist der Weg zwar emotional und steinig, aber das Ziel ist die Mühe wert: Lasst uns mit uns und unseren Eltern Frieden schließen.

Danke für dieses Buch.

*) Verlag Worte&Leben Braunschweig 2018
ISBN 978-3-9818549-2-3